Interview: Was müssen ErzieherInnenstühle leisten?


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Zum Glück gibt es sie mittlerweile schon in vielen Einrichtungen - ErzieherInnenstühle. Für diejenigen, die sich in nächster Zeit einen rückenschonenden Stuhl für die tägliche Arbeit anschaffen möchten, geben wir an dieser Stelle ein paar nützliche Entscheidungstipps.

Was muss man beim Kauf eines ErzieherInnenstuhls beachten?

Wir haben in dem Berliner Fachgeschäft "Der Drehstuhl" nachgefragt. Ausgesucht haben wir speziell dieses Geschäft, da sich die Firma die Mühe gemacht hat, in Zusammenarbeit mit einem großen Träger (Mittelhof e.V.) einen speziellen ErzieherInnenstuhl zu entwickeln. Hier geben wir unser Gespräch mit den beiden InhaberInnen Thomas (TL) und Benita Langecker (BL) wieder:

Kitakram: Hallo, Frau und Herr Langecker. Warum brauchen Erzieherinnen und Erzieher besondere Stühle?

BL: Es ist pädagogisch wünschenswert und wichtig auf einer Ebene, quasi „auf Augenhöhe“ mit Kindern zu arbeiten. Beim Essen, im Stuhlkreis, beim Anziehen...immer und immer wieder. Auf klassischen Vierbeinern aus Holz, wie sie immer noch in vielen Kitas anzutreffen sind, ohne jede Einstellmöglichkeit, ruiniert man sich auf Dauer die Gesundheit.

TL: Jeder, der einmal an einem Elternabend in einer Kindertagesstätte teilgenommen hat, hat schmerzhaft erfahren, dass man als Erwachsener einfach nicht gut auf klassischen Kinderstühlen sitzen kann. Als Vater von 3 Kindern weiß ich, wovon ich rede. Damit Erzieherinnen und Erzieher ergonomisch gut sitzen können, muss ein ErzieherInnenstuhl beweglich und individuell einstellbar sein. Wie ein guter Bürostuhl eben auch.

Kitakram: Worauf sollte man denn beim Kauf eines Stuhles im Besonderen achten?

BL: Ein Stuhl, auf dem man in der Kita gut arbeiten kann, muss beweglich sein und in der Höhe verstellbar. Wichtig ist dabei, dass die Sitzhöhe niedriger eingestellt werden kann, als bei üblichen Stühlen. Das Fußkreuz darf keine Stolperfalle für umherrennende Kids darstellen, es muss also klein gestaltet werden. Der Stuhl sollte natürlich Rollen haben, das schafft Bewegung. Man muss dabei unbedingt darauf achten, dass diese für alle Böden geeignet sind. Es gibt spezielle Universalrollen, mit denen man sowohl auf Linoleum, PVC, Laminat und Holz, als auch auf Teppich sehr gut rollen kann.
Ein Stuhl für Erzieher und Erzieherinnen braucht keine hohe Lehne, wie man sie z.B. bei Bürostühlen vorfindet. Aber eine kleine Stütze im Rückenbereich, eine sogenannte Lordosenstütze, ist sinnvoll. Diese sollte man in der Höhe, Neigung und Tiefe exakt an den Rücken der Person anpassen können, für die der Stuhl gedacht ist.
(Foto: Der Drehstuhl)
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TL: Bewegung ist das A und O ergonomischen Sitzens. Fairerweise muss man hinzufügen, dass man immer nur Schadensbegrenzung betreiben kann. Es gibt zwar medizinisch richtiges, aber kein gesundes Sitzen. Gleichwohl kann man durch die Wahl eines geeigneten Stuhles spezifische Belastungen deutlich reduzieren.

Kitakram: Wie findet man denn heraus, ob ein Stuhl geeignet ist oder nicht?

BL: Probesitzen! Anders geht das nicht. Hände weg von Katalogen und Internetversand. Jeder beschreibt seine Stühle als ergonomisch toll, anatomisch optimiert und was nicht noch alles. Wir machen das ja auch (lacht). Aber wir geben das unseren Kunden gegenüber auch zu und fordern Sie auf, Ihren Rücken entscheiden zu lassen.

TL: Das stimmt. Allerdings haben wir einen Stuhl für Erzieherinnen und Erziehern produziert, der von ErzieherInnen entwickelt wurde. Nach genau deren Vorgaben. Offen gestanden, wir hatten zunächst auch keine Idee davon, welche Anforderungen an einen solchen Stuhl gestellt werden. Mittelhof e.V., das ist ein Träger von 15 Kitas in Berlin, hat 2010 ein Gesundheitsmanagement eingeführt und wollte im Kitabereich die Ergonomie der Stühle für die pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter optimieren. Die haben uns gefragt: „Habt Ihr auch Erzieherstühle?“.

BL: Genau. Und Mittelhof wusste, dass wir Stühle individuell fertigen. Also haben wir gefragt, wie denn so ein Stuhl aussehen soll, was er können soll. Nach diesen Kriterien haben wir in Zusammenarbeit mit unseren Zulieferern einen Prototypen entwickelt, den wir den Kitas von Mittelhof zum Test zur Verfügung gestellt haben.

Kitakram: Und ausprobieren muss man den dann bei Ihnen? Merkt man dann überhaupt, ob der Stuhl passt oder nicht?

BL: Man kann sich natürlich bei uns beraten lassen und die ganzen Varianten ausprobieren. Wir stellen aber auch gern Kitas einen Stuhl kostenlos zur Probe zur Verfügung. Im Arbeitsalltag kann man viel besser beurteilen, was passt und was nicht. Man kann das pädagogische Personal ja schlecht quer durch die Stadt fahren lassen, um Stühle auszuprobieren.

TL: Wir sind da sehr unbürokratisch. Ein Anruf genügt und wir kommen mit dem Stuhl vorbei, stellen den hin und lassen ihn eine Woche zum Test vor Ort. Jedenfalls in Berlin. Wenn Kitas aus dem Bundesgebiet anrufen, verschicken wir den den EDUtec. Die Resonanz ist hervorragend!

Kitakram: Mit anderen Worten: Man muss in Bewegung bleiben, Stühle können nicht gesund machen aber Belastungen mindern und man sollte Sie vor dem Kauf ausprobieren???

TL: Ganz genau!

BL: Ja. Und: Stühle für Erzieherinnen und Erzieher müssen kleiner als gewöhnliche Bürostühle und vor allen Dingen niedriger einstellbar sein!

Kitakram: Damit unsere Kitakram-Besucher mal eine Vorstellung haben. Was kostet denn bei Ihnen so ein ErzieherInnenstuhl?

TL: Unseren EDUtec erhält man mit allem Drum und Dran schon für €217,- inklusive MwST. Worauf wir besonders stolz sind: Unser Stuhl wird in Deutschland gefertigt und erfüllt hohe Qualitätsansprüche.

Kitakram: Na, jetzt haben Sie ja ganz schön Werbung für Ihren Stuhl gemacht, aber das ist ausnahmsweise mal okay.


ErzieherInnenstühle gibt es u.a. bei allen bekannten Kindergartenausstattern. Mehr über den im Interview angesprochenen EDUtec-Stuhl erfahrt ihr hier:
Der Drehstuhl