Spielzeugfreie Zeit im Kindergarten oder Hort


Projektthema: Spielzeugfreie Zeit im Kindergarten oder Hort
Projektinhalte: Ausräumen des klassischen Spielmaterials, Bereitstellung "wertloser" Materialien
Materialien: Pappkartons, Pappröhren, Papier, Farben, Holzmaterialien, Werkzeuge, Behälter in unterschiedlichen Größen, Sortiermaterial (Knöpfe, Wäscheklammern, Steine, Eisstiele, usw.), Kissen, Decken, Tücher, Matratzen usw.
Alter: 1 - 10 Jahre
Vorbereitung: Eltern und Kinder im Vorfeld informieren, Abstellmöglichkeiten für das Spielzeug gewährleisten, früh genug mit dem Sammeln von Materialien beginnen
Ziele des Projektes:
Förderung der Kreativität und Phantasie: Durch das Wegfallen herkömmlicher Spielzeuge finden Kinder neue Wege, sich mit Alltagsmaterialien zu beschäftigen und Ideen zu den neuen Materilien zu entwickeln.
Förderung der Kommunikation und des Sozialverhaltens: In der Auseinandersetzung mit den neuen Materialien wird der Dialog unter den Kindern gefördert. Es müssen neue Spielregeln ausgehandelt, Ideen formuliert und Verteilungsprozesse geregelt werden.
Stärkung des Selbstbewusstseins Die Kinder lernen eigene Stärken und Schwächen kennen, kreative Prozesse und Erfindungen rufen Stolz hervor und zudem lernen die Kinder Frustrationen im Umgang mit den Materialien auszuhalten.

Alle Ziele führen dazu, die Kinder stark zu machen und sie damit vor potentiellen Suchtgefahren zu schützen. Denn die Erfahrung hat gezeigt, dass vor allem die Kinder gefährdet sind, die in ihrer Kindheit/Jugend überwiegend Passivität und Konsum erfahren haben.

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Eine Höhle aus Kartons und Pappe.
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Eine Stromanlage aus Eierkarton und Strohhalmen.

Durchführung:

Wenn ihr zum ersten Mal das Projekt "spielzeugfreie Zeit" in eurer Einrichtung durchführt, solltet ihr auf jeden Fall im Vorfeld einen Elterabend zum Thema anbieten.

Spielzeugfrei heisst nicht ohne alles:
Daher müsst ihr prüfen, ob ihr genug Alltagsmaterial im Haus und im Garten im Angebot habt. Wenn nicht, so müsst ihr früh genug anfangen zu sammeln. Natürlich sollen die Kinder im Laufe der Zeit auch eigenständig überlegen, was sie alles noch benötigen um eigene Ideen und Erfindungen umsetzen zu können.

Beginn des Projektes:
Nachdem ihr mit den Kindern über das anstehende Projekt gesprochen habt, solltet ihr mit ihnen gemeinsam das Spielzeug aus den Räumen tragen. So können sich die Kinder besser auf die neue Situation einstellen.

Dauer des Projektes:
3 -4 Wochen sollte das Projekt schon dauern. Es kann zu Startschwierigkeiten kommen, denn die Kinder müssen sich ja zunächst an die neue Situation gewöhnen. Gebt euren Kindern genug Zeit zur Entwicklung neuer Spielideen. Hilfreich ist es, wenn während der spielzeugfreien Zeit nicht zu viele Termine außer Haus stattfinden.

Morgenkreise, Kinderkonferenzen und AG´s,
können weiterhin stattfinden. Diese Rituale geben vielen Kindern Sicherheit und eine Orientierung über den Tag.

Häufige Beobachtungen während der spielzeugfreien Zeit:

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  • Zu Beginn sind einige Kinder zuweilen unsicher und ohne Ideen. Die Lautstärke in den Räumen kann ansteigen.
  • Einige Kinder stecken vom ersten Tag an voller Tatendrang und zeigen sich sehr kreativ.
  • Die Ideen und Erfindungen der Kinder werden von Tag zu Tag umfassender: komplexe Maschinen, Häuser und Höhlen werden gebaut.
  • Häufiger als sonst entwickeln die Kinder neue Rollenspiele in kleinen und großen Gruppen.
  • Die Kinder reden viel miteinander: Regeln werden ausgehandelt, Ideen diskutiert, die Verteilung von Materialien besprochen und Erfahrungen ausgetauscht.
  • Auch die ErzieherInnen haben anfangs Schwierigkeiten sich von der Rolle der Anleiter/Motivierer/Ideengeber in eine rein beobachtende Rolle zu begeben.
  • Nach wenigen Tagen entwickeln die Kinder immer neue Ideen und es herrscht eine regelrechte Aufbruchsstimmung. Fast alle Kinder können nun mit dem reduzierten Materialangebot gut umgehen.
  • Den meisten Kindern gefällt die spielzeugfreie Zeit zunehmend. Auch viele Eltern geben positives Feedback.
  • Nach Beendigung der spielzeugfreien Zeit wird das alte Spielzeug wieder dankbar angenommen.