Ein echter Schultag im Kindergarten


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Schulanfänger stehen in den ersten Tagen und Wochen Herausforderungen gegenüber, an die wir Erwachsene oft gar nicht denken:
Was mache ich, wenn ich im Unterricht auf die Toilette muss? Wie verbringt man denn Schulpausen? Wann isst man das Pausenbrot?



Damit ihr euren Kindern solche Fragen beantworten könnt und Abläufe vielleicht schon ein wenig geübt werden, plant doch einfach mal einen echten Schultag in der Kita ein.

Überlegungen im Vorfeld:

  • Die Eltern sollten einverstanden und informiert sein!
    Soll dieser Tag für alle Kinder gelingen, so müssen die Eltern mithelfen. Am Schultag oder an Schultagen in der Kita sollte jedes Kind Pausenbrote für die zwei stattfinden "Hofpausen" dabei haben.
    Außerdem fängt eine Schule ja immer pünktlich an. Legt für den Kitaschultag eine Uhrzeit fest, die eure Familien einhalten können. Dies muss nicht unbedingt 8.00 Uhr morgens sein - 9.00 Uhr ist vielleicht für alle zu schaffen. Wenn es geht, sollten die Kinder natürlich vorher gefrühstückt haben.
    Plant ihr eine Sportstunde ein? Dann fordert die Eltern auf nachzuschauen, ob auch wirklich alle benötigten Utensilien vorhanden sind.
  • Ihr müsst im Kitateam klären, welche Räume euch an diesem Tag zur Verfügung stehen. Je nachdem welche Stunden bei euch auf dem Stundenplan stehen, müssen verschiedene Materialien zur Verfügung stehen.
    Vielleicht plant ihr eine Sporteinheit ein? Dann benötigt ihr den Bewegungsraum.
    Oder möchtet ihr eine Stunde zum Thema Naturwissenschaft durchführen? Da würde sich ein Forscherraum anbieten.
  • Könnt ihr für den Schultag eine große Tafel organisieren? In den meisten Schulklassen sind sie nach wie vor vorhanden und so kann jedes Kind mal vorher ausprobieren, wie es ist, vor der "Klasse" etwas an die Tafel zu schreiben.
  • Schule bedeutet heutzutage nicht mehr nur Frontalunterricht. Vieles wird in Gruppen erarbeitet oder im Stuhlkreis besprochen. Damit ihr auch diese Arbeitsweisen in euren Schultag einbinden könnt, benötigt ihr einen großen Raum, der dies möglich macht.


  • Ablauf:
    - den könnt ihr ganz individuell gestalten. Vielleicht erkundigt ihr euch einfach mal bei eurer kooperierenden Grundschule, wie die ersten Wochen in den Schulanfangsklassen gestaltet werden.

    Hier ein paar Tipps:

  • Die Schulstunden solltet ihr ca. 30 Minuten lang einplanen. 45 Minuten ist für Kitakinder zu lang.
  • Vier Schulstunden reichen aus! Bewegung nicht vergessen!!
  • Zwischen allen Schulstunden sollten kurze Pausen liegen. Zum Kennenlernen der Hofpause sollten 2 lange Pausen in den Tag eingebunden werden. Ein Signal für Beginn und Ende der Pause darf nicht fehlen!
  • Schulfächer können sein: Sport, Kunst, Nawi, Mathe, Deutsch, Englisch, Spielstunde, Klassenkonferenz oder Sonstiges.
  • Hausarbeiten finden die zukünftigen Schulkinder oftmals toll. Überlegt euch gut, was alle Kinder daheim schaffen können. Möglich wäre z.B., dass alle Fotos oder Bilder zu einem bestimmten Thema mitbringen sollen. Oder ihr gebt das Malen eines Bildes als Hausaufgabe auf.


  • Was noch wichtig ist..........:

  • Achtet darauf, dass ihr für die Kinder interessante, abwechslungsreiche und schaffbare Stundeninhalte vorbereitet. Die Kinder sollen gestärkt aus diesem Kitaschultag hervorgehen!!!
  • Besprecht mit den Kindern im Vorfeld den Tag, damit sie wissen, was auf sie zukommt. Nur dann können sie auch sicher agieren.
  • Auch echte Schulkinder bekommen von ihren Lehrern und Betreuern Zuspruch und Hilfe bei Unsicherheiten. Schultag in der Kita heisst nicht: heute musst du alles alleine schaffen.

  • Ich finde, daß der Vorschlag eine Überlegung wert ist, möchte aber zwei kritische Punte anmerken: Vielfallt der Schulformen (Ballungsräume) und Art des Lehrer-Seins:

    Zu beachten ist, daß es heute zunehmend unterschiedliche Schulformen gibt und man deshalb Kita-Kindern möglicher Weise ein Bild von Schule gibt, daß dann für sie nicht zutrifft. Irritationen würden entstehen. In demokratischen Schulen können Kinder vielleicht frei entscheiden, ob sie sich an einem Tag mit etwas "Schulischem" beschäftigen wollen. Wahrscheinlich können sie auch über das Thema mit den Lehrern frei verhandeln und sich dann vielleicht nur in kleinen und kleinsten Lerngruppen zusammenschließen. Bei anderen Schulen wird es vielleicht Freiarbeitsräume geben, in denen sich die Kinder eigenständig mit Stoff auseinandersetzen mit oder ohne Peers/Klassenkammeraden, mit oder ohne anwesende/ansprechbare Lehrkraft. Vielleicht wird auch viel in Projektform gearbeitet...
    So sollten sich die Erzieher vorher informieren, in welche Schulen (Schulformen) die Kinder gehen werden, wie dort Unterricht gestaltet wird (JÜL oder altershomogene Klassen, Frontalunterricht, Lernstationen, Gruppenarbeit, Projekte, Freiarbeit, demokratisch, Montessori,...), um es dann beim Kita-Schultag wiederspiegeln zu können. Vielleicht ist die Mischung so groß, daß das nicht umsetzbar ist und man sich dann gegen einen solchen Kita-Schultag entschließt.

    Die meisten Kita-Kinder freuen sich auf Schule. Deshalb ist solch ein Schultag auch ein Risiko: Sollten die Erzieher als schlechte Lehrer auftreten (wie es bei echten Lehrern bekannter Weise auch gute und schlechte gibt), sollten die Kinder eventuell überfordert werden, könnten sie ein schlechtes Bild von Schule bekommen oder sogar Angst. Das wurde im Artikel auch angedeutet. Ich möchte es trotzdem noch einmal unterstreichen.

    Gedanken aus Berlin...

    Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar und die hilfreichen Gedanken!

    Man muss diesen "Schultag" wirklich spielerisch angehen und sich in der Tat bei den Grundschulen erkundigen, wie der Schulalltag dort aussieht.
    Es geht bei diesem Angebot vor allem darum, den Kindern zu veranschaulichen, dass es Pausen gibt, was Hausaufgaben sind (wenn die Grundschulen sie überhaupt noch aufgeben), wie es ist an einer Tafel zu stehen usw.

    Sinn und Zweck ist es, den Kindern Sicherheit zu vermitteln und sie positiv auf die Herausforderung Schule einzustimmen. Viele Eltern berichten immer wieder, dass es nicht das "Schreiben, Lesen und Rechnen" ist, was die Kinder in den ersten Wochen fordert, sondern das "Drumherum". Und dieses "Drumherum" lernen die Kinder dann schon mal ein wenig in der Kita kennen.

    Viele Grüße,
    Heike von kitakram

    kann mir vorstellen, dass die Kinder das total klasse finden, da sie sich dann so gross fühlen!