Klassische und moderne Gedichte für Kinder im Kindergarten und in der Schule
Die Gedichte sind, von den Überschriften ausgehend, alphabetisch geordnet.
Auf unsrer Wiese gehet was,
Watet durch die Sümpfe.
Es hat ein schwarzweiß Röcklein an,
Trägt auch rote Strümpfe,
Fängt die Frösche schwapp, wapp, wapp,
Klappert lustig klapperdiklapp.
Wer kann das erraten?
Ihr denkt, das kann der Storch nur sein,
Watet durch die Sümpfe.
Er hat ein schwarzweiß Röcklein an,
Trägt auch rote Strümpfe,
Fängt die Frösche schwapp, wapp, wapp,
Klappert lustig klapperdiklapp.
Nein, das ist die Störchin!
(August Heinrich Hoffmann von Fallersleben)
Beobachtung
Zarte, feine,
klitzekleine
Spuren findest du im Schnee?
Zarte, feine,
klitzekleine
Spuren – die sind nicht vom Reh!
Diese krickel
krackel Grüße
schrieb ein andrer Gast hierher:
Zickel zackel
Vogelfüße –
schau: Dort sind schon keine mehr.
Denn nun eben
fast im Schweben
hüpfte, pickte er im Lauf –
und
Mit einem Sprunge,
Schwunge
flog er zu den Wolken auf.
(Max Kruse, geb. 1921)
Das Hexen-Einmaleins
Du musst verstehn!
Aus Eins mach Zehn,
Und Zwei lass gehn,
Und Drei mach gleich,
so bist du reich.
Verlier die Vier!
Aus Fünf und Sechs -
So sagt die Hex -
Mach Sieben und Acht,
So ists vollbracht:
Und Neun ist Eins,
Und Zehn ist keins,
Das ist das Hexen-Einmaleins!
(Johann Wolfgang von Goethe, 1749 - 1832)
Die Gäste der Buche
Mietegäste vier im Haus
Hat die alte Buche.
Tief im Keller wohnt die Maus,
Nagt am Hungertuche.
Stolz auf seinen roten Rock
Und gesparten Samen
sitzt ein Protz im ersten Stock;
Eichhorn ist sein Namen.
Weiter oben hat der Specht
Seine Werkstatt liegen,
Hackt und zimmert kunstgerecht,
Daß die Späne fliegen.
Auf dem Wipfel im Geäst
Pfeift ein winzig kleiner
Musikante froh im Nest.
Miete zahlt nicht einer.
(Rudolf Baumbach, 1842 - 1905)
Ein Frühlingsgedicht
Der Frühling ist die schönste Zeit!
Was kann wohl schöner sein?
Da grünt und blüht es weit und breit
Im goldnen Sonnenschein.
Am Berghang schmilzt der letzte Schnee,
Das Bächlein rauscht zu Tal,
Es grünt die Saat, es blinkt der See
Im Frühlingssonnenstrahl.
Die Lerchen singen überall,
Die Amsel schlägt im Wald!
Nun kommt die liebe Nachtigall
Und auch der Kuckuck bald.
Nun jauchzet alles weit und breit,
Da stimmen froh wir ein:
Der Frühling ist die schönste Zeit!
Was kann wohl schöner sein?
(Droste-Hülshoff, Annette)
Eine Feder
Ein Federchen flog durch das Land;
Ein Nilpferd schlummerte im Sand
Die Feder sprach: "Ich will es wecken!"
Sie liebte, andere zu necken.
Aufs Nilpferd setzte sich die Feder
Und streichelte sein dickes Leder.
Das Nilpferd sperrte auf den Rachen
Und musste ungeheuer lachen.
(Joachim Ringelnatz, 1883 - 1934)
Ich weiß einen Stern
gar wundersam,
darauf man lachen
und weinen kann.
Mit Städten, voll
Von tausend Dingen.
Mit Wäldern, darin
die Rehe springen.
Ich weiß einen Stern,
drauf Blumen blühn,
drauf herrliche Schiffe
durch Meere ziehn.
Wir sind seine Kinder,
wir haben ihn gern:
Erde, so heißt
unser lieber Stern.
(Josef Guggenmos)
Du bist da, und ich bin hier
Du bist da, und ich bin hier.
Du bist Pflanze, ich bin Tier.
Du bist Riese, ich bin Zwerg.
Du bist Tal, ich bin Berg.
Du bist leicht, und ich bin schwer.
Du bist voll, und ich bin leer.
Du bist heiß, und ich bin kalt.
Du bist jung, und ich bin alt.
Du bist sie, und ich bin er.
Du bist Land, und ich bin Meer.
Du bist dunkel, ich bin hell.
Du bist langsam, ich bin schnell.
Du bist schmal, und ich bin breit.
Du bist Anzug, ich bin Kleid.
Du bist einsam, ich allein.
Komm, wir wollen Freunde sein!
(Frantz Wittkamp, geb. 1943)
Vom Riesen Timpetu
Pst! Ich weiß was. Hört mal zu!
War einst ein Riese Timpetu.
Der arme Bursche hat - oh Graus -
im Schlafe nachts verschluckt 'ne Maus.
Er lief zum Doktor Isegrimm:
"Ach Doktor! Mir geht's heute schlimm.
Ich hab' im Schlaf 'ne Maus verschluckt,
die sitzt im Leib und kneipt und druckt."
Der Doktor war ein kluger Mann,
man sah's ihm an der Nase an.
Er hat ihm in den Hals geguckt.
"Wie? Was? Ne Maus habt ihr verschluckt?
Verschluckt 'ne Miezekatz dazu,
so lässt die Maus euch gleich in Ruh."
(Alwin Freudenberg, 1873-1930)
Wann Freunde wichtig sind
Freunde sind wichtig zum Sandburgenbauen,
Freunde sind wichtig, wenn andre dich hauen,
Freunde sind wichtig zum Schneckenhaussuchen,
Freunde sind wichtig zum Essen von Kuchen.
Vormittags, abends, im Freien, im Zimmer......
Wann Freunde wichtig sind?
Eigentlich immer!
(Georg Bydlinski, geb. 1956)